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Das Magazin für klassische Musik
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Adam von Fulda - Messe, Motetten, Lieder
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ADAM VON FULDA
Messe, Motetten, Lieder
Ensemble Stimmwerck
Cavalli CD 330


Selbst Musikhistorikern ist Adam von Fulda (gestorben 1505 in Wittenberg) allenfalls als Verfasser eines Musiktraktats ein Begriff, kaum als Komponist. Wie seine deutschen Zeitgenossen steht auch er unter dem Verdacht der stilistischen Rückständigkeit. Aber seine Musik – vor allem die Missa Seit ich dich Herzlieb leiden muss – ist in ihrer freien Stimmführung von außerordentlicher Schönheit. Und da sie vom Ensemble Stimmwerck, das sich schon für Adams Generationskollegen Heinrich Finck eingesetzt hat, warm und klar gesungen wird, ist diese Aufnahme ein Vergnügen – und durchdacht angelegt noch dazu: So wird die Antiphon Dies est laetitiae
didaktisch „zerlegt“: erst der cantus firmus allein, dann kommt die kanonische zweite Stimme hinzu, dann die Begleitinstrumente.
WF
JOHANN CHRISTOPH ALTNICKOL - Befiehl du deine Wege
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JOHANN CHRISTOPH ALTNICKOL
Befiehl du deine Wege.
Messe und Motetten
Norddeutscher Figuralchor,
Musica Alta Ripa: Jörg Straube
Carus 83.168

Kein Geringerer als Johann Sebastian Bach hat seinem Schüler und Schwiegersohn Altnickol (1719 – 1759) eine „gantz besondere Geschicklichkeit in der Composition“ bescheinigt. Jörg Straube hat mit seinem Norddeutschen Figuralchor erstmals die wenigen von Altnickol überlieferten Vokalwerke aufgenommen
– zwei steife Vertonungen des Sanctus, eine sauber gearbeitete, aber etwas uninspirierte Kyrie-Gloria-
Messe sowie zwei Choralmotetten, die dem Bach‘schen Vorbild eine originelle, dem galanten Stil zuneigende liedhaft-gefühlvolle Note geben. Das alles klingt in der Interpretation Straubes sauber und klangschön, wenn man sich auch bei den beiden Motetten einen emphatischeren, energischeren Zugriff gewünscht hätte. US
CARL PHILIPP EMANUEL BACH - Das Solo-Klavierwerk
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CARL PHILIPP EMANUEL BACH
Das Solo-Klavierwerk
Vol. 16/17: Württembergische Sonaten
Miklós Spányi (Clavichord)
BIS-CD-1423/24

Miklós Spányi legt in den beiden neuesten
Folgen seiner Gesamteinspielung
von Carl Philipp Emanuel Bachs Klavierwerk
die sechs Württembergischen
Sonaten (Wq 49/1 – 6) vor. Der bekannteste
Bachsohn hat diese 1744 erschienenen
Stücke seinem Klavierschüler
Herzog Carl Eugen von Württemberg
gewidmet. Schon hier machen sich jene
plötzlichen Stimmungswechsel bemerkbar,
die später zum herausragenden
Merkmal seiner hochemotionalen Musik
werden sollten. Spányi realisiert den
Notentext, vor allem die peinlich genauen
dynamischen Anweisungen, auf
einem nachgebauten Clavichord sehr
präzise, ja streng, wenn auch manchmal
rhythmisch arg eintönig. Man hätte sich
etwas mehr Freizügigkeit der Deklamation
gewünscht, die sich schon in diesen
frühen Sonaten der gefühlsbetonten
Rede nähert. US
JOHANN SEBASTIAN BACH - Goldberg-Variationen
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JOHANN SEBASTIAN BACH
Goldberg-Variationen
(Orgelfassung)
Hansjörg Albrecht
OehmsClassics 625

Weil Hansjörg Albrecht an der Orgel nicht ganz so schnell sein kann wie mancher Pianist, mussten einige Wiederholungen gekürzt werden. Es bleibt trotzdem jede Menge Höran- und -aufregung. Natürlich sind diese Goldberg-Variationen schon wegen der völlig anderen Raumsituation nicht mehr jenes Werk, das man kennt: Albrechts ausgesprochen intelligentes, detailliert durchdachtes und schlüssig umgesetztes Bearbeitungskonzept, das die Instrumentenwahl ebenso einbezieht wie die ausführlichen Erklärungen im Booklet, setzt die Variationenfolge gleichsam unters Vergrößerungsglas – und die verträgt das sehr gut. Eine „durchkomponierte
Interpretation“, wie sie live kaum denkbar ist. Es lebe die Scheibe! GF
JOHANN SEBASTIAN BACH - Messe in h-moll BWV 232
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JOHANN SEBASTIAN BACH
Messe in h-moll BWV 232
Chor und Orchester des
Bach Collegium Japan:
Masaaki Suzuki
BIS-SACD-1701/02.

Zur Halbzeit seines gewaltigen Bachkantaten-Projekts gönnte sich Masaaki Suzuki eine Belohnung, indem er die
h-moll-Messe, nach vielfacher Erprobung im Konzertsaal, auch auf CD festhielt. Erneut beweist der japanische
Protestant mit der europäischen Ausbildung, dass sein Bach-Bild zu den eindrücklichsten der Gegenwart zählt.
Expressiv, aber nie extrem, tänzerisch, aber nie sportiv, dann wieder von ruhevoller Gelassenheit: So bannt er das gut 100-minütige Werk vom ersten Kyrie-Einsatz bis zum Dona nobis pacem unter einen Spannungsbogen. Der 15-köpfige Chor singt mit größter Delikatesse, das kaum größere Orchester gibt beredtesten Ausdruck von der Vielfalt der musikalischen Mittel und lässt völlig vergessen, dass Bach auch hier viel Altes mit Neuem zusammengemixt hat. MH
JOHANN SEBASTIAN BACH - Violinsonaten
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JOHANN SEBASTIAN BACH
Violinsonaten
BWV 1014-1019
Frank Peter Zimmermann
(Violine), Enrico Pace (Klavier)
Sony Classical 8697112432

Man muss Bachs Violinsonaten nicht mit einer Barockvioline einspielen. Aber ein bisschen über barocke Phrasierung und Vibratogebrauch sollte man schon wissen. Es verwundert deshalb, dass ein großer Geiger wie Frank Peter Zimmermann die meisten der langsamen Sätze spielt, als seien es romantische Violinkonzerte.
Fast alle langen Noten sättigt er mit Vibrato. Wie beim Adagio der dritten Suite trägt er meist zu dick auf;
das differenzierte Klavierspiel von Enrico Pace kann diesen Zuckerguss auch nicht mehr neutralisieren. In den schnellen Sätzen dagegen spielt Zimmermann mit viel schärferem Ton. Hier wie auch im wunderbar schlicht gestalteten Largo der sechsten Sonate lichtet sich der Nebel und gibt den Blick frei auf Bachs feingliedrige Strukturen. GR
JOHANN SEBASTIAN BACH - Weihnachtsoratorium
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JOHANN SEBASTIAN BACH
Weihnachtsoratorium
Schäfer, Fink, Güra, Finley,
Gerhaher, Concentus Musicus
Wien, Arnold Schönberg Chor:
Nikolaus Harnoncourt
dhm 88697112252


Warum sollte man sich noch ein Weihnachtsoratorium ins CD-Regal stellen?
Weil Nikolaus Harnoncourt mit seinem Concentus Musicus Wien eine packende Interpretation erzielt, die seinem Ideal der Klangrede ganz nahe kommt, ohne sich dabei in Überdeutlichkeit zu verlieren. Weil man beim gut ausbalancierten, klangmächtigen Arnold Schönberg Chor wirklich jedes Wort versteht und das Ensemble nicht nur in den Chorälen tief berührt. Und weil mit Christine Schäfer, Bernada Fink, Werner Güra, Gerald Finley und Christian Gerhaher erstklassige Solisten engagiert wurden, die ihr Können stets in den Dienst der Musik stellen und gerade dadurch die Aufnahme veredeln. GR
JOHANN SEBASTIAN BACH - Weihnachtsoratorium
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JOHANN SEBASTIAN BACH
Weihnachtsoratorium
Hartelius, Hammerström,
Dürmüller, Roth, Combattimento
Consort & Cappella Amsterdam:
Jan Willem de Vriend
Challenge Records CC 76608

Vom hervorragenden Orchester lebt diese Einspielung des Weihnachtsoratoriums – so gute Naturtrompeten hört
man selten! Das passt zur Interpretation, die ihr Hauptaugenmerk auf Tonmalerei und -symbolik, auf die Aspekte Freude und Schönheit richtet – etwa wenn der Choral Brich an dem Hirtenvolk den Schrecken nimmt oder die fröhliche Flöte die Hirten zur Krippe begleitet. Aber so überzeugend die Flöte dabei ist: dem Tenor gelingt nur eine beschriebene, keine gefühlte Fröhlichkeit. Ebenso wie es dem Alt doch an Sinnlichkeit fehlt
– ob das daran liegt, dass der Dirigent in ihm in romantischer Tradition die Gottesmutter Maria sieht? Dass dieselbe Musik an anderer Stelle von der „Wollust“ gesungen wird, die latente Erotik also, die in dieser Figur steckt, wird ausgeblendet. Der auf Hochglanz polierten Oberfläche tut das aber gut. KH
JOHANN SEBASTIAN BACH - Magnificat, GEORG FRIEDRICH HÄNDEL - Dixit Dominus
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JOHANN SEBASTIAN BACH
Magnificat
GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
Dixit Dominus
Solisten, Le Concert d’Astrée:
Emmanuelle Haïm
Virgin 3952412

Dem fordernden Charme von Emmanuelle Haïm verfallen sie alle. Wenn Madame am Pult auftaucht, entdecken
selbst deutsche Traditionsorchester oder gefeierte Opernstars plötzlich ihre Liebe zur Barockmusik – sogar der französischen. Mit ihrem eigenen Ensemble Le Concert d’Astrée realisiert Haïm Aufnahmen, die durch sorgfältig ausgewählte Stimmen auffallen und eine Leichtigkeit, wie sie nur durch unnachgiebiges Arbeiten entsteht. Und mit
Charme natürlich. Ihre aktuelle Kopplung von Bachs Magnificat und Händels Dixit Dominus ist licht und voll erfülltem Schwung, sinnlich und strahlendv klar. Für ihre erlesene Solistenschar hat Emmanuelle Haïm wieder die beseelte Natalie Dessay gewinnen können, dazu den betörenden Countertenor Philippe Jaroussky. UA
JOHANN SEBASTIAN BACH - Inventionen, Partita Nr. 2
gue1207-10
JOHANN SEBASTIAN BACH
Inventionen, Partita Nr. 2
Janine Jansen (Violine),
Maxim Rysanov (Viola),
Torleif Thedéen (Cello)
Decca 4759081

Wenn gefeierte Solisten sich der Kammermusik zuwenden, kann das Ergebnis zweispältig ausfallen. Zumal, wenn es dabei um Bach geht. Wie man seine Werke interpretiert, das hat Bekenntnischarakter. Janine Jansen braucht da nichts zu fürchten. Seit frühester Jugend ist die niederländische Geigerin eine begeisterte Kammermusikerin, in Utrecht veranstaltet sie ein eigenes Festival. Bei den für Tasteninstrumente komponierten zwei- und dreistimmigen Inventionen hat Jansen mit Maxim Rysanov und Torleif Thedéen zwei sensible und klangfindige Mitstreiter gefunden. Im Zentrum der Aufnahme steht Bachs zweite Solopartita, deren gestalterische Herausforderung Jansen ohne jede Verkrampfung meistert. Ehrfurcht muss überhaupt nicht spröde sein. UA
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