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APPARITION - Lieder von Henry Purcell
CD 1
Christine Schäfer (Sopran),
Eric Schneider (Klavier)
Onyx 4021


Die Zusammenstellung dieser fast drei Jahrhunderte auseinander liegenden Lieder erweist sich als mehr denn
eine „interessante“ Idee. Sie erzählen eine Geschichte von Liebe, Eifersucht, Verlassenwerden, Sterben. Dabei wird mehrere Male zwischen den Jahrhunderten gesprungen, und dies ergibt äußerst faszinierende Übergänge: Der leidenschaftliche Barockmeister Purcell und der spät- oder neoromantische Crumb sind gar nicht so weit auseinander. Crumbs Liederzyklus Apparition bildet den Schluss der CD. Schäfers Stimme klingt fast expressionistisch, was den überladenen Gefühlsaufwallungen Purcells sehr entgegenkommt. Auch zum Teil äußerst vertrackte Melodien Crumbs bewältigt sie mühelos. Lediglich einige zu germanisch klingende Vokale enttäuschen etwas. CMS
JOHANN SEBASTIAN BACH - Motetten
CD 2
Trinity Baroque: Julian Podger
Raumklang RK 2601


Seinem Label-Namen „Raumklang“ macht diese Aufnahme alle Ehre. Wie hier der Klang-Raum von St. Wenzel zu Naumburg eingefangen wurde, „nur“ in Stereo und ohne „Super Audio“, ist beeindruckend. Und dann ist diese Aufzeichnung auch noch musikalisch äußerst lohnend: Über der durch Orgel und Violone genau im richtigen Maß hervorgehobenen Basslinie entfaltet „Trinity Baroque“ eine fast unglaubliche Singfreude, Intensität des emotionalen Ausdrucks und Genauigkeit in der Deutung des Textes. Wer eine Ahnung davon gewinnen will, wie Glaubensüberzeugung angesichts des Todes klingt (das sind ja eigentlich Motetten für Begräbnisse!), höre diese CD. Inklusive der latenten Erotik (vor allem in Komm, Jesu, komm, dem Höhepunkt der CD) wird jede Stimmung genauestens getroffen. KH
JOHANN SEBASTIAN BACH - Die Kunst der Fuge
CD 3
Pierre-Laurant Aimard
Dt. Grammophon 477 734-5


Wer selbst Ligeti-Etüden technisch so beherrscht wie Pierre-Laurent Aimard, den schreckt auch keine Bach’sche Tripelfuge. Bis über die 50 hat der Franzose gewartet, ehe er mit Johann Sebastian auf die Scheibe ging (herzliche Grüße an Herrn Stadtfeld und andere!) – dafür gibt es nun eine Interpretation, die Transparenz und absolute technische Beherrschung mit fast meditativer Versenkung verbindet. Aimard spielt mit einer Disziplin, die nicht aus äußerem Drill, sondern aus innerer Freiheit erwächst. Klavieristische Farbwerte setzt er dabei eher gedämpft ein und nimmt auf diese Weise das moderne Instrument ein Stück zu seinem Ursprung zurück. Umso mehr Präsenz gewinnt die organische, absolut schlüssige Entfaltung der Bewegungszüge Bachs. GF
JOHANN SEBASTIAN BACH - Französische Suiten BWV 812-817
CD 4
Evgeni Koroliov (Klavier)
Tacet 161


Koroliovs Bachinterpretationen werden seit Jahren weltweit gerühmt. Die Zeiten, in denen dieser eher unscheinbare, bescheidene Mann ein Geheimtipp war, sind Vergangenheit. Die französischen Suiten sind erneutes Zeugnis für Koroliovs singulären Rang in Sachen Bach. Man muss nur einmal die ersten Töne der c-moll-Suite hören, die nachdenkliche Schönheit und gelassene Kantabilität erleben, mit denen Koroliov diese Allemande auslotet, um eine andere Welt zu betreten. Es ist nicht allein die phänomenale Klarheit, mit der er jede Linie nachzeichnet und jeder Stimme Eigenleben verleiht. Nicht nur den langsamen Sätzen dieser „kleinen“ Suiten gewinnt Koroliov eine metaphysische Dimension ab, ohne Bach auch nur ansatzweise zu romantisieren. Eine Offenbarung, auch aufnahmetechnisch. OB
LUDWIG VAN BEETHOVEN - Symphonien Nr. 5 u. 8
CD 5
Royal Flemish Philharmonic:
Philippe Herreweghe
PentaTone PTC 5186316


So eine kurze Generalpause zwischen den klopfenden Schicksalsmotiven hört man selten. Atemlos und hochgespannt ist in Philippe Herreweghes Interpretation nicht nur der Beginn von Beethovens Fünfter. Der belgische Dirigent hat das auf modernen Instrumenten spielende Orchester nach dem Vorbild Harnoncourts mit Naturtrompeten und Barockpauken ausgestattet. Leider verliert Herreweghe damit mehr, als er gewinnt. Jedes Forte wird durch die schmetternden Trompeten und dominanten Pauken zum lärmenden Fortissimo, die klangliche Differenzierung bleibt gerade bei den dramatischen Zuspitzungen auf der Strecke. Auch bei der Achten gehen trotz der ausgezeichneten Artikulation und hohen Spielkultur des Orchesters die Zwischentöne verloren. Überdeutlichkeit ist keine musikalische Tugend. GR
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