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Verliebt ist der Mensch besonders kreativ. Das gilt auch für Komponisten. Und so ist die Musikgeschichte voller Werke, die unter Liebeseinfluss entstanden sind. Gerald Felber stellt elf Traumpaare vor, denen die Welt besondere Werke verdankt.
Hector Berlioz: Harriet Die volkstümliche Küchenpsychologie unterscheidet nicht ganz zu Unrecht zwischen Verliebtheit und Liebe. Verliebt war der 23-jährige Konservatoriumsstudent Hector Berlioz nach einer Shakespeare-Aufführung im Jahre 1827 offenbar bis über beide Ohren – so sehr, dass aus seinen schmachtenden Fieberträumen ein epochemachendes Werk entstand, die 1830 uraufgeführte Symphonie Fantastique. Mit der Liebe wurde es dan schwieriger. Zwar bekam der Musiker auf wunderbare Weise tatsächlich seine (Alb-) Traumprinzessin, die englische Aktrice Harriet Smithson; 1833 wurde geheiratet. So weit geht es wie im Märchen, nur die Fortsetzung war dann weniger wunderbar: Die Schönheit der Muse nahm kontinuierlich ab und ihre Trunksucht im gleichen Maße zu. Nach elf Jahren brannte der einst so begeisterte Hector schließlich mit der nächsten Kunstgespielin durch – tempi passati.
Robert Schumann: Clara Noch eine romantische Beziehung, bei der die Protagonisten nach heftigen Stürmen den Ehehafen erreichen, um sich dann plötzlich im trüben Flachwasser wieder zu finden. Mehr als drei Jahre und sogar einen Prozess gegen den renitenten Brautvater brauchte es von Roberts Heiratsantrag bis zur Hochzeit mit Clara Wieck 1840. Da war noch alles Rausch, Sang und Klang: das „Liederjahr“ mit dem Myrten-Zyklus im Mittelpunkt, den Robert seiner Braut als Liebesgabe aufs Nachtschränkchen legte, ist eine auskomponierte Feier idealer Seelenverwandtschaft. Mit dem Alltag des Paares hatte das freilich schon bald nichts mehr zu tun – in öden Kladden notiert der einstige Anti-Philister Schumann da nicht nur pfenniggenau jede Einnahme und Ausgabe, sondern auch den korrekten Vollzug des ehelichen Verkehrs. Zum Verrücktwerden – und genau so kam‘s ja auch ...
Benjamin Britten: Peter "Wie ein altes Ehepaar" seien die beiden miteinander umgegangen, berichten Zeitzeugen, und der Unterton solcher Kommentare reicht von stirnrunzelnder Mokanz bis zu einer Art Neid über so viel schwule Harmonie. Homosexuelle Beziehungen standen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren immer noch am Rand der gesellschaftlichen Ächtung. Britten (im Bild rechts) und Pears, als Komponist und Sänger praktischerweise auch künstlerische Partner, dürften gerade durch die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Verhältnis öffentlich auslebten, einige bigotte Festungen geschleift haben. 1937 lernten sich die beiden kennen, und von da an darf man im Prinzip davon ausgehen: Wenn in Benjamins Partituren eine hohe Männerstimme erscheint, ist Peter gemeint. Das umfasst tragische Opern-Charakterrollen, aber auch viele Lieder, unter denen die persönlichsten sich 1944 zu den sehnsüchtig-melancholischen, dunkel geheimnisvollen Abendgesängen der Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester zusammenschließen – geschrieben für jene Nächte, die man vielleicht allein beginnt, aber nicht unbedingt allein beschließt.
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